1. Vision – Was ist neu?
Die Vision des Gymnasiums 2040 beantwortet die Frage, warum sich Bildung im Zeitalter Künstlicher Intelligenz verändern muss – und wie Schule zum Resonanzraum des Menschlichen wird.
Bildung als Resonanzraum des Menschlichen und Ort der Selbstkultur
Bildung wird verstanden als aktiver Prozess des Weltverstehens. In einer Zeit, in der Maschinen Wissen generieren, verbindet Schule Denken, Fühlen und Handeln. Schülerinnen und Schüler lernen, sich in komplexen Zusammenhängen zu orientieren, kritisch zu urteilen und Verantwortung zu übernehmen.
Schule wird so zum Resonanzraum zwischen Mensch und Technologie – und zum Ort der Selbstkultur: der bewussten Gestaltung der eigenen Persönlichkeit im Dialog mit Welt und Wissen.
Phänomenfelder statt Fächergrenzen
Die klassischen Fächer bleiben als methodische Zugänge erhalten, verlieren aber ihre isolierte Form. Biologie, Chemie, Philosophie, Geschichte, Kunst, Mathematik, Informatik und andere Disziplinen werden in acht Phänomenfelder eingebettet, die sich an zentralen Fragen des Weltverständnisses orientieren.
- Leben und Wandel – Was ist lebendig, und wie verändert sich das Lebendige?
- Kraft und Wirkung – Wie entfaltet sich Energie in Natur, Technik und Gesellschaft?
- Zahl, Muster und Entscheidung – Wie helfen Strukturen und Modelle, Welt zu verstehen?
- Zeit, Erinnerung, Erzählung – Wie entsteht Bedeutung durch Geschichte und Deutung?
- Raum, Form und Gestaltung – Wie entsteht Gestalt in Natur, Kunst und Gesellschaft?
- Sprache, Kultur und Identität – Wie schafft Kommunikation Zugehörigkeit und Missverständnis?
- Macht, Verantwortung, Zusammenleben – Wie organisieren Menschen ihr gemeinsames Leben?
- Erde, Technik und Zukunft – Wie bewahren oder gefährden wir unsere Lebensgrundlagen?
Mathematik und Sprache neu denken
Mathematik wird zur Sprache der Muster und Entscheidungen: weniger Rechnen, mehr Verstehen von Strukturen, Unsicherheiten und algorithmischen Prozessen.
Sprache wird als kulturelles Denken verstanden: Fremdsprachenunterricht dient nicht primär der Übersetzung, sondern der kulturellen Empathie und Interpretation von Bedeutungen und Kommunikationsstilen.
Technologie und KI als Partner des Lernens
Künstliche Intelligenz wird integraler Bestandteil des Lernprozesses: als Werkzeug für Analyse, Simulation und Kreativität – und als Spiegel des menschlichen Denkens.
KI entlastet von repetitiver Stoffvermittlung und schafft Raum für offene Lernformate: Dialog, Projektarbeit, Reflexion und individuelle Schwerpunktbildung.
2. Umsetzung – Wie mache ich das?
Dieser Bereich richtet sich an Lehrpersonen: Er beschreibt neue Lernformen, die Rolle der Lehrperson und die veränderte Prüfungskultur im Gymnasium 2040.
Offene Formate für tieferes Lernen
Lernen geschieht in offenen, dialogischen und projektorientierten Formaten:
- Phänomenprojekte – interdisziplinäre Arbeit an einer Leitfrage
- Werkstätten – kreative Räume für angewandtes Wissen
- Dialoglabore – Übungsfelder für Argumentation, Diskurs und Empathie
- Reflexionsjournale – Dokumentation persönlicher Lernwege
- Resonanzräume – Musik, Bewegung, Natur als sinnliche Dimension von Bildung
Lehrpersonen als Kuratorinnen des Lernens
Lehrpersonen werden zu Kuratorinnen des Lernens:
- Sie gestalten Lernräume und wählen bedeutsame Inhalte aus.
- Sie verknüpfen Perspektiven aus verschiedenen Disziplinen.
- Sie moderieren Dialoge und begleiten individuelle Lernwege.
- Sie unterstützen Schülerinnen und Schüler in der Arbeit mit KI-Werkzeugen.
Fachkompetenz bleibt zentral – wird aber ergänzt durch Prozessgestaltung, Mentoring und Kulturvermittlung.
Narrative Kompetenzprofile statt Prüfungsstress
Prüfungs- und Bewertungsformen werden erweitert. Neben klassischen Prüfungen treten:
- Portfolios und Lernbiografien
- Essays und mündliche Präsentationen
- Projektberichte und öffentliche Auftritte
Narrative Kompetenzprofile beschreiben, wie jemand denkt, argumentiert, gestaltet und reflektiert – nicht nur, was jemand weiss.
Ateliers, Arenen und virtuelle Landschaften
Die Schule öffnet sich räumlich und digital:
- Ateliers für gestalterisches und experimentelles Arbeiten
- Arenen für Debatten, Präsentationen und Performances
- Werkstätten für praktisches und technisches Lernen
- Virtuelle Lernlandschaften für orts- und zeitflexibles Arbeiten mit KI
Die Klasse bleibt als soziales Gemeinwesen wichtig – wird aber verstanden als Übungsfeld für demokratisches Zusammenleben.
3. Der Wochenstundenplan – Die neue Lektionentafel
Die neue Lektionentafel zeigt, wie sich Lernzeit auf sieben Lernbereiche verteilt. Das Gymnasium bleibt vierjährig (10.–13. Schuljahr), aber die Struktur orientiert sich an Lernräumen statt an Einzelfächern.
Sieben Lernbereiche im Überblick
Jeder Lernbereich umfasst mehrere Module, die je nach Jahrgang Pflicht-, Wahlpflicht- oder Vertiefungsmodule sind. Ein Klick auf einen Lernbereich (z. B. in einer späteren interaktiven Version) führt zu den entsprechenden Modulen.
| Lernbereich | Beschreibung / Fokus | Beispielhafter Modul-Inhalt (10. Klasse) |
|---|---|---|
| Phänomenfelder | Interdisziplinäres Fundament – Phänomene der Welt als gemeinsamer Bezugspunkt der Disziplinen. | Phänomene der Welt – Einführung ins interdisziplinäre Denken |
| Mathematik & Modellbildung | Analytisches Denken, Muster, Modelle, Statistik, KI-Grundlagen. | Zahl und Wirklichkeit |
| Sprache & Kultur | Kulturelle Kommunikation, Ausdruck, Interpretation und Medienkompetenz. | Sprache als Weltverständnis |
| Cluster-Schwerpunkt | Individuelle Vertiefung (z. B. Wissenschaft, Kultur, Gesellschaft, Gestaltung, Musik, Erde, Innovation). | Einführung in den persönlichen Schwerpunkt |
| Dialog- & Resonanzzeit | Soziale, emotionale und ästhetische Bildung; Ethik, Bewegung, Musik, Gemeinschaft. | Mensch und Gemeinschaft |
| Projekt- & Atelierzeit | Forschendes und gestalterisches Lernen in realen Kontexten. | Kleine Phänomene – erste Projektarbeit |
| Selbstlernzeit / Tutorium | Selbstgesteuertes Lernen, Nutzung von KI, Portfolioarbeit, Reflexion. | Lernen lernen |
In einer weiter ausgebauten Version können diese Daten direkt aus einer Tabellenstruktur (z. B. Google Sheets) gespeist werden, sodass Modulnamen, Beschreibungen und Beispielinhalte dynamisch gepflegt werden können.
Weniger Lektionen – mehr Tiefe und Eigenverantwortung
Die Gesamtbelastung liegt bei rund 28 Wochenlektionen (statt 32–34). KI-gestützte Selbstlernphasen und Projektarbeit werden mit klaren Präsenzzeiten kombiniert.
- 10. Klasse: Orientierung / Grundbildung I
- 11. Klasse: Grundbildung II / Aufbauphase
- 12. Klasse: Vertiefungsphase I
- 13. Klasse: Vertiefungsphase II / Abschluss (mit Mastermodul im Schwerpunkt)
Phänomenfelder sichern das gemeinsame Fundament, Cluster-Schwerpunkte erlauben individuelle Profile, Projekt- und Atelierzeit verbindet Theorie mit Praxis, und Dialog- & Resonanzzeit pflegt soziale und emotionale Intelligenz.